Dienstag, 8. Juli 2008
Jogi´s Kabinenrede vor dem Finale
Die Spanier behaupten, das deutsche Volk habe den Glauben an den Sieg verloren.
Ich frage Euch: Glaubt Ihr mit der Kanzlerin und mit mir an den endgültigen totalen Sieg der Nationalelf?
Ich frage Euch: Seid Ihr entschlossen, Deutschlands in der Erkämpfung des Sieges durch dick und dünn und unter Aufnahme auch der schwersten persönlichen Belastungen zu folgen?

Zweitens: Die Spanier behaupten, das deutsche Team ist des Kampfes müde.
Ich frage Euch: Seid Ihr bereit, mit dem deutschen Volk als Phalanx der Heimat hinter der kämpfenden Nationalelf stehend diesen Kampf mit wilder Entschlossenheit und unbeirrt durch alle Schicksalsfügungen fortzusetzen, bis der Sieg in unseren Händen ist?

Drittens: Die Spanier behaupten, das deutsche Team hat keine Lust mehr, sich der überhand nehmenden Fußballarbeit, die der DFB von ihm fordert, zu unterziehen.
Ich frage Euch: Seid Ihr und ist das deutsche Team entschlossen, wenn der Trainer es befiehlt, zehn, zwölf, und wenn nötig vierzehn und sechzehn Stunden täglich zu trainieren und das Letzte herzugeben für den Sieg?

Viertens: Die Spanier behaupten, das deutsche Team wehrt sich gegen die totalen Trainingsmaßnahmen des Trainerstabes. Es will nicht den totalen Sieg, sondern die Kapitulation. (Zurufe: Niemals! Niemals ! Niemals !)
Ich frage Euch: Wollt Ihr den totalen Sieg? Wollt Ihr ihn wenn nötig totaler und radikaler, als wir ihn uns heute überhaupt noch vorstellen können?

Fünftens: Die Spanier behaupten, das deutsche Team hat sein Vertrauen zum Trainer verloren.
Ich frage Euch: Ist Euer Vertrauen zum Trainer heute größer, gläubiger und unerschütterlicher denn je? Ist Eure Bereitschaft, ihm auf allen seinen Wegen zu folgen und alles zu tuen, was nötig ist, um den Sieg zum siegreichen Ende zu führen, eine absolute und uneingeschränkte? (Die Menge erhebt sich wie ein Mann. Die Begeisterung der Masse entlädt sich in einer Kundgebung nicht dagewesenen Ausmaßes. Vieltausendstimmige Sprechchöre brausen durch die Halle: „Trainer befiehl, wir folgen!“ Eine nicht abebbende Woge von Hochrufen auf den Trainer braust auf. Wie auf ein Kommando erheben sich nun die Fahnen und Standarten, höchster Ausdruck des weihevollen Augenblicks, in dem die Elf dem Trainer huldigt.)

Ich frage Euch als sechstes: Seid Ihr bereit, von nun ab Eure ganze Kraft einzusetzen, die ihr braucht, um den Iberern den tödlichen Schlag zu versetzen?

Ich frage Euch siebentens: Gelobt Ihr mit heiligem Eid, daß die Mannschaft mit starker Moral hinter mir steht und mir alles geben wird, was sie nötig hat, um den Sieg zu erkämpfen?

Ich frage Euch achtens: Wollt Ihr, insbesondere Ihr Auswechselspieler selbst, daß der Trainer dafür sorgt, daß auch die Auswechselspieler ihre ganze Kraft der Siegeringung zur Verfügung stellt und überall da, wo es nur möglich ist, einspringt, um damit ihren Kameraden auf dem Platz zu helfen?

Ich frage Euch neuntens: Billigt Ihr wenn nötig die radikalsten Maßnahmen gegen einen kleinen Kreis von Drückebergern und Schiebern, die mitten im Turnier Frieden spielen und die Not des Teams zu eigensüchtigen Zwecken ausnutzen wollen? Seid Ihr damit einverstanden, daß, wer sich am Sieg vergeht, den Kopf verliert?

Ich frage Euch zehntens und zuletzt: Wollt Ihr, daß, wie das Handbuch des DFB es gebietet, gerade im Kriege gleiche Rechte und gleiche Pflichten vorherrschen, daß die Mannschaft die schweren Belastungen des Turniers solidarisch auf ihre Schultern nimmt und daß sie für Hoch und Niedrig und Arm und Reich in gleicher Weise verteilt werden?

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