Dienstag, 8. Januar 2008
Geld oder Leben
Neulich war ich wieder mal zu einem der mir doch eher unangenehmen Privattermine unterwegs. Mein Bankberater ist der Meinung gewesen, dass ich Ihn lange nicht gesehen habe und er mich doch in wenigen Minuten meines Lebens, mit einer nur ihm vertrauten Anlagestrategie, zum Millionär machen würde. Zumindest hatte ich den Eindruck nach dem interessanten Telefongespräch, was ja nichts weiter war als die Auffüllung seines Terminplaners. Nun denn als unmündiger Bundesbürger, der ja von sowas überhaupt keine Ahnung, laut der Argumentation meines Bankangestellten des Vertrauens, hat, begab ich mich in den Finanztempel meiner Hausbank.
Was dann folgte war der Alptraum schlechthin. Da ich durch eine Überschneidung von diversen Kunden- und Kaffeeterminen meines Beraters zum eher ungewollten warten verpflichtet wurde, hatte ich genug Zeit mir den alltäglichen Beratungswahnsinn einer öffentlich, rechtlichen Nochbank anzusehen. Erinnerungen an den letzten Basaraufenthalt in der Türkei wurden wach.
Ich hatte mich so in das große Gebäude niedergelassen, das ich meinen Blick genau auf den Eingangsbereich mitsamt den dort aufgestellten Gelddruckern richten konnte. Was die beiden Schlipsträger, die ich ihrem Alter nach für Azubis hielt, dort machten, würde jedem türkischen Ladenbesitzer die Freudentränen in die Augen treiben. Jeder, aber auch wirklich jeder Kunde und Kundin wurde von den beiden Azubischlipsträgern angesprochen, um dann, wenn angeblich Interesse geheuchelt wurde, die verhafteten Personen sofort in das nächstbeste Beraterzimmer einzuschliesen. Ich wusste gar nicht dass Banken heutzutage die Fließbandarbeit eingeführt hatten.
Nach ca. einer halben Stunde angstvollen Wartens wurde ich dann höflich zu meinem Berater gebeten, er hätte jetzt Zeit für mich und mein Anliegen, was wohl eher andersherum der Fall ist. Meistens liegen ja die Finanzdienstleister an wie der böhmische Nebel. Das meine Begeisterung nicht gerade den Begriff "Himmelhochjauchzend" verdient sei hier nur am Rande erwähnt. Nach einer kurzen und dürftigen Begrüßung durch meinen Herrn Mich-gleich-zum-Millionär-Macher, durfte ich mich auf auf einen harten Stuhl, der mir nach fünf Minuten durch meinen Allerwertesten sagte, das ich mich beeilen sollte, setzten. Und dann kam eine Frage auf die ich nicht gefasst war: "Herr ........, wie lange wollen Sie noch auf Ihre Geschenke vom Staat verzichten?" Wow, Geschenke...sofort hatte ich den Geruch von Plätzchen und Räucherkerzen in meiner Nase. Ohne auch nur mit der Wimper zu zucken wurde mir sofort erklärt, dass ich, aufgrund meines niedrigen Verdienstes, sehr viel Geld vom Staat bekommen könnte wenn ich jetzt sofort einen Bausparvertrag eröffnen würde, welcher mir obendrein auch noch die Möglichkeit, bei einem späteren Bauvorhaben, offen hielt, ein zinsgünstiges Darlehen in Anspruch zu nehmem. Auf meine Frage wieviel ich den mitsamt dem Darlehen denn bekommen würde, konnte ich mir das lachen nicht verkneifen. Mit 25000€ könnte ich mir eine Ruine kaufen und hätte danach noch nicht mal Geld für den Abrissbagger. Und dann kamen wieder die ganzen Argumente die jeder von uns schon mal gehört hat wie da wären staatliche Förderung, Krankenversicherung fürs Haus, Altersvorsorge Eigentum. Und genau meim letzten Begriff lies ich mir einen Zettel und einen Stift geben. Jetzt war ich an der Reihe diesem Herrn mit seinem Gönnerhaften von oben Herab auftreten mal zu zeigen, wie interessant eine Rechnung zwischen Miete und Finanzierung eines Hauses ist. Nehmen wir mal an ich wohne auf dem Lande in einer Kleinstadt mit ca. 15.000 Einwohnern. Ich habe eine kleine 50 qm Mietwohnung mit einer Kaltmiete von 300€. Meine eigene Lebenserwartung beträgt, laut Analyse einer nahmhaften Krankenkasse etwa 75 Jahre, was eine Investition von 180.000€ nur in die Miete, wobei ich hier eine Mietsteigerung außen vor lasse weil ich, wie weiter unten gleich zu lesen sein wird, eventuelle Zinssteigerungen bei einem Darlehen auch außen vor lasse, ergeben würde. Nehme ich mir dagegen ein Darlehen für die selbe Rate und lege einen festen Zinssatz von 5% für die 50 Jahre fest, könnte ich mir geradeso einen Betrag von etwa 70.000€ leisten. Bei einem angenommen Baupreis von ca. 120.000€ für meine "Altersvorsorge Eigenheim" fehlen mir also theoretisch noch genau 50.000€, die, nach meiner Frage, woher ich diesen Betrag jetzt gleich nehmen sollte, durch einen Sparplan finanziert werden sollte, welcher dann mein Bauvorhaben in 10 Jahren mit Kredit auffüllen sollte. Aber in 10 Jahren muss ich für dieselben 70.000€ mehr im Monat aufwenden als jetzt, wobei mich dieser Spaß wiederum sehr wahrscheinlich an den Rand des Ruins, dem ich so schon Jahr für Jahr, und entgegendriffte. Desweiteren muss ich bei einem Haus und/oder Eigentumswohnung nach lockeren 10 Jahren damit rechnen, dass ich auch mal wieder etwas für die Werterhaltung tun muss, oder ich fange dann an auf die Abrißbirne zu sparen. Sicherlich auch eine Mietwohnung will ordentlich aussehen, aber ein Dach decken oder den Außenputz streichen, bezahle ich doch automatisch mit meiner Miete. Schuß! Treffer! Versenkt! So jedenfalls war meine innerliche Interpretation des Gesichtes meines mir, etwas in sich zusammengerutschten, Beraters, welches er zog.

Nach seiner Frage, die ich genüßlich mit einen nein beantwortete, obwohl das so nicht ganz stimmte, ob mir den selber noch was auf dem Herzen brennen würde, erhob ich mein mir doch sehr schmerzendenes Hinterteil und ging zufrieden, ohne Millionen und keinem Plan wie ich das schaffen würde, nach Hause.

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